Qualitätsprüfungen Pflegeheime

Um eine gute und passende Pflegeeinrichtung zu finden, brauchen pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen verlässliche und vergleichbare Informationen. Seit 2009 überprüft der Medizinische Dienst im Auftrag der Pflegekassen jedes Jahr die Qualität von Pflegeheimen. Auf der Basis der Prüfergebnisse wird die Qualität bewertet.

Bundesweit neue Qualitätsprüfungen für Pflegeeinrichtungen

Die Qualitätsprüfungen in stationären Pflegeeinrichtungen wurden grundlegend verändert. Seit der Reform steht die Versorgungsqualität der Bewohnerinnen und Bewohner noch stärker im Mittelpunkt. Der Medizinische Dienst Nordrhein prüft seit November 2019 nach dem neuen Verfahren.

Die wichtigsten Neuerungen, lesen Sie auf dieser Schwerpunktthemenseite in unseren „Häufigen Fragen und Antworten“. Darüber hinaus finden Sie Beispiele sowie Zahlen und Grafiken zum Thema. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden zunächst alle Qualitätsprüfungen in stationären, teilstationären und in ambulanten Pflegeeinrichtungen ausgesetzt. Seit März 2021 finden die Qualitätsprüfungen wieder statt.

Häufige Fragen und Antworten

Pflegeheime und ambulante Pflegedienste werden in der Regel einmal pro Jahr geprüft. 90 Prozent der Qualitätsprüfungen führt der Medizinische Dienst durch und zehn Prozent der Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung. Auf der Grundlage der Prüfberichte mussten die Pflegekassen die Ergebnisse in Form von Pflegenoten veröffentlichen.

Die Darstellung der Pflegequalität in Pflegenoten ist in die Kritik geraten, weil Qualitätsmängel in den Einrichtungen für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht klar erkennbar waren. Kritiker bemängelten, dass vor allem bürokratische Abläufe bewertet wurden. Außerdem konnten schlechte Noten in der Pflegequalität zum Beispiel durch einen guten lesbaren Speiseplan ausgeglichen werden. Die Gesamtnoten gaben daher keine Auskunft über Qualitätsunterschiede der verschiedenen Heime bei der Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner.

Der Gesetzgeber hat 2016 mit dem Pflegestärkungsgesetz II den Pflegequalitätsausschuss – ein gemeinsames Gremium von Pflegekassen und Leistungserbringern – eingerichtet und ihn beauftragt, durch wissenschaftliche Projekte ein neues Prüfverfahren und eine Alternative zur bisherigen Pflegenotendarstellung zu entwickeln.

Der Pflegequalitätsausschuss hat das Institut für Pflegewissenschaft an der Uni Bielefeld (Dr. Klaus Wingenfeld) und das Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA-Institut) in Göttingen beauftragt, Vorschläge für eine Reform zu entwickeln. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben konkrete Konzepte für eine neue Qualitätsprüfung und ihre Darstellung erarbeitet. Der Abschlussbericht wurde im September 2018 vom Ausschuss abgenommen.

Die Wissenschaftler haben ein grundlegend neues Qualitätssystem erarbeitet, das aus einem internen Qualitätsmanagement der Einrichtungen und einem neuen externen Prüfverfahren besteht. Beides wird in einer Qualitätsdarstellung zusammengefasst.

Mit der Reform rückt die Qualität der Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner in den Vordergrund. Ging es bei der bisherigen Qualitätsprüfung vor allem darum, viele Einzelkriterien nach einer eng formulierten Ausfüllanleitung zu bewerten, so setzt die neue Prüfphilosophie auf wesentlich umfassendere Qualitätsaspekte. Dadurch gewinnt auch der fachliche Dialog zwischen dem Prüfteam des Medizinischen Dienstes und den Pflegefachkräften der Einrichtung an Bedeutung.

Auch die Verantwortung der Pflegeeinrichtungen für die interne Qualitätssicherung wird gestärkt. Seit Oktober 2019 erheben die Pflegeheime halbjährlich intern Qualitätsdaten zur Versorgung ihrer Bewohnerinnen und Bewohner und übermitteln sie an eine Datenauswertungsstelle. Dort werden die Daten geprüft und daraus Qualitätsindikatoren berechnet. Eine weitere Neuerung ist, dass die Ergebnisse der internen und externen Qualitätsprüfungen in einer verbraucherfreundlichen Darstellung zusammengefasst und mit ausführlichen Informationen zu den Einrichtungen im Internet durch die Pflegekassen veröffentlicht werden sollen.

Seit Oktober 2019 sollen die stationären Einrichtungen halbjährlich Daten zur Versorgungssituation erfassen.

Das neue Prüfverfahren nimmt vor allem die Qualität der Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner in den Blick. Nach wie vor basiert die Prüfung des Medizinischen Dienstes auf der sogenannten Inaugenscheinnahme von Bewohnerinnen und Bewohnern und dem Gespräch mit ihnen. Anhand einer Stichprobe von neun Bewohnerinnen und Bewohnern prüft der Medizinische Dienst, wie die Versorgung bei jedem Einzelnen aussieht. Dazu wurden die bisherigen Prüfinhalte erweitert. Zu den klassischen Themen wie Ernährung, Körperpflege, Medikamenten- und Wundversorgung kommen neue hinzu. In persönlichen Gesprächen klären die Prüfer, wie es um die Unterstützung der Bewohner steht: beispielsweise bei ihrer Mobilität, der Strukturierung ihres Tages oder ihren sozialen Kontakten. Wie sieht etwa die Versorgung von Menschen mit Demenz aus und wie gehen die Pflegekräfte mit individuellen Risiken und Gefährdungen der Bewohner um?

Darüber hinaus überprüft der Medizinische Dienst bei sechs der neun Bewohner, ob die von der Einrichtung selbst ermittelten Qualitätsindikatoren plausibel sind: Passt das Gesamtbild, das sich der Medizinische Dienst gemacht hat, zu dem, was das Heim an die Datenauswertungsstelle gemeldet hat? Ist nachvollziehbar, wie sich Selbstständigkeit und Mobilität des Bewohners entwickelt haben?

Ein weiterer wichtiger Baustein der Qualitätsprüfung ist das Fachgespräch, das Prüferinnen und Prüfer des Medizinischen Dienstes in der Einrichtung führen. Das Prüfteam bespricht mit den Pflegekräften vor Ort die Prüfergebnisse und bezieht dabei die Perspektive der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Der Medizinische Dienst berät die Einrichtung und gibt Empfehlungen, wie die Qualität konkret verbessert werden kann. Die pflegefachliche Beratung gewinnt insgesamt an Bedeutung.

Die Prüferinnen und Prüfer des Medizinischen Dienstes betrachten sechs verschiedene Qualitätsbereiche, die wiederum in 24 Qualitätsaspekte unterteilt sind. Davon beziehen sich 21 Kriterien unmittelbar auf die Bewohnerinnen und Bewohner selbst. Die Prüfinhalte gliedern sich in die folgenden sechs Qualitätsbereiche:

  1. Unterstützung bei der Mobilität und Selbstversorgung. Hierzu zählen beispielsweise die Unterstützung bei der Ernährung und Flüssigkeitsaufnahme oder der Körperpflege

  2. Unterstützung bei der Bewältigung von krankheits- und therapiebedingten Anforderungen, wie etwa der Medikamenteneinnahme, Wundversorgung oder dem Schmerzmanagement

  3. Unterstützung bei der Gestaltung des Alltagslebens und der sozialen Kontakte, wie etwa bei der Tagesstrukturierung, Beschäftigung, Kommunikation oder der nächtlichen Versorgung

  4. Unterstützung in besonderen Bedarfs- und Versorgungssituationen, wie etwa in der Eingewöhnungsphase nach dem Einzug, bei Krankenhausaufenthalten oder von Bewohnern mit psychischen Problemlagen

  5. Bedarfsübergreifende fachliche Anforderungen; hierzu zählen beispielsweise die Abwehr von Risiken und Gefährdungen, die Einhaltung von Hygieneanforderungen oder der Schutz von Persönlichkeitsrechten

  6. Einrichtungsinterne Organisation und Qualitätsmanagement; hierzu zählen beispielsweise die Qualifikation der Pflegedienstleitung oder Maßnahmen zur Vermeidung von Qualitätsdefiziten

Bereits bei der bisherigen Form der Qualitätsprüfung steht die persönliche Inaugenscheinnahme von Bewohnerinnen und Bewohnern im Mittelpunkt. Beim neuen System rückt die Versorgungsqualität, die bei den Bewohnern persönlich untersucht wird, noch stärker ins Blickfeld. Entscheidend für die Bewertung ist nun, ob der Einzelne durch die Einrichtung so unterstützt wird, wie es seinem individuellen Bedarf entspricht.

Auffälligkeiten oder Fehler in der Dokumentation spielen für die Bewertung keine Rolle mehr, wenn sich daraus keine Risiken oder negativen Folgen für die Bewohnerinnen und Bewohner ergeben. Ab jetzt lauten die Fragen vielmehr: Wie laufen bestimmte Pflegeprozesse ab? Und welches Ergebnis kommt für die Bewohner dabei heraus?

Beim neuen Verfahren gibt es vier Kategorien, nach denen die Prüferinnen und Prüfer die Pflegequalität beim Bewohner bewerten:

  • A Keine Auffälligkeiten oder Defizite
  • B Auffälligkeiten, die keine Risiken erwarten lassen. Beispiel: Der MDK stellt fest, dass ein Bewohner selbstständiger essen kann als bisher angegeben
  • C Defizit mit Risiko negativer Folgen. Beispiel: Ein Bewohner nimmt zu wenig Nahrung zu sich, die Einrichtung hat aber nicht darauf reagiert
  • D Defizit mit eingetretenen negativen Folgen. Beispiel: Ein Bewohner ist unterernährt und dies geht auf einen Fehler der Pflegeeinrichtung zurück

Nach der Prüfung erstellt der Medizinische Dienst einen Bericht für die Pflegekasse und die Pflegeeinrichtung. Bei Mängeln empfehlen die Qualitätsprüferinnen und -prüfer konkrete Maßnahmen, um die Defizite zu beseitigen. Die Pflegekasse kann dann Auflagen erteilen, eine Wiederholungsprüfung durch den Medizinischen Dienst veranlassen, die Vergütung mindern oder sogar den Versorgungsvertrag kündigen.

Die rund 70 Prüferinnen und Prüfer des Medizinischen Dienstes Nordrhein wurden auf das neue Prüfverfahren vorbereitet und intensiv geschult. Sie sind alle pflegefachlich ausgebildet und haben langjährige Berufserfahrung in der Pflege. Viele verfügen über einen pflegewissenschaftlichen Abschluss und haben Leitungserfahrung. Pro Jahr führen die Prüferinnen und Prüfer insgesamt über 2.400 Qualitätsprüfungen in Nordrhein durch, die Hälfte davon in stationären Einrichtungen.

Das neue Prüfverfahren betrifft jedoch nicht nur den Medizinischen Dienst. Daher bietet der Medizinische Dienst Nordrhein auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Pflegeeinrichtungen, von Kassen oder von Heimaufsichten Fachveranstaltungen oder Schulungen an, um ihnen das neue Qualitätssystem nahezubringen. Ziel ist es, das neue Prüfverfahrens für alle so reibungslos wie möglich zu gestalten.

Die Verantwortung der Pflegeeinrichtungen für die interne Qualitätssicherung wird gestärkt. Seit Oktober 2019 sollen vollstationäre Pflegeeinrichtungen zweimal pro Jahr intern von allen Bewohnerinnen und Bewohnern sogenannte Qualitätsindikatoren erheben – das sind Daten zur Versorgungssituation. Erfasst wird beispielsweise, wie mobil die Personen sind, wie viele von ihnen gestürzt sind oder ein Druckgeschwür entwickelt haben. Die Daten werden anonymisiert an eine zentrale Datenauswertungsstelle übermittelt. Dort werden die Ergebnisse der einzelnen Einrichtungen mit dem Durchschnitt aller Heime bundesweit verglichen, und an die Pflegeeinrichtung wird ein Bericht mit den Ergebnissen zurückgeschickt. So können die Pflegeheime selbst erkennen, wo sie gut sind oder wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Dieser Bericht geht auch an den Medizinischen Dienst für die Qualitätsprüfung.

Im Rahmen der Qualitätsprüfung kontrolliert der Medizinische Dienst bei sechs der neun untersuchten Pflegeheimbewohner zusätzlich die von der Einrichtung erhobenen Indikatoren auf Plausibilität. Dadurch entsteht eine Verknüpfung zwischen dem internen Qualitätsmanagement und der Prüfung des Medizinischen Dienstes.

Neu ist, dass der Medizinische Dienst die Qualitätsprüfung bei der Einrichtung in Zukunft einen Tag vorher ankündigen muss. Das gilt für Regelprüfungen. Bei sogenannten Anlassprüfungen, die Pflegekassen nach Hinweisen auf Mängel beim Medizinischen Dienst in Auftrag geben können, erfolgen die Prüfungen wie bisher unangemeldet. 

Alle Heime werden jährlich geprüft. Geplant ist, dass Heime mit guten Indikatoren- und Prüfergebnissen nur noch alle zwei Jahre vom Medizinischen Dienst geprüft werden müssen. Näheres wird der GKV-Spitzenverband in einer Richtlinie regeln.

Im Rahmen der Qualitätsprüfung kontrolliert der Medizinische Dienst bei sechs der neun untersuchten Pflegeheimbewohner zusätzlich die von der Einrichtung erhobenen Indikatoren auf Plausibilität. Dadurch entsteht eine Verknüpfung zwischen dem internen Qualitätsmanagement und der Prüfung des Medizinischen Dienstes.

Die Darstellung der Qualität der Pflegeheime steht auf drei Säulen: auf den Ergebnissen der Qualitätsprüfung des Medizinischen Dienstes und auf den Ergebnissen der Qualitätsindikatoren, die von den Heimen selbst erhoben und von der Datenauswertungsstelle ausgewertet wurden.

Darüber hinaus gibt es einen Bericht mit Informationen zu jeder Einrichtung. Damit sind Ausstattung und Angebote der Pflegeeinrichtung gemeint. Dazu zählen zum Beispiel Versorgungsschwerpunkte, Personalausstattung, spezielle Gruppenangebote, Kooperationen oder die Einbindung von Angehörigen.

Auf den speziellen Internetseiten der Pflegekassen können die Verbraucher nach eigenen Prioritäten Informationen über die Einrichtungen auswählen, filtern und vergleichen.

Mit dem Pflegestärkungsgesetz II hat der Deutsche Bundestag beschlossen, das neue System Ende 2019 umzusetzen. Der Medizinische Dienst Nordrhein prüft die Einrichtungen seit November 2019 nach dem neuen Verfahren.

Die Regel- und Wiederholungsprüfungen wurden während der Corona-Pandemie ausgesetzt. Seit 16. März 2021 finden die Prüfungen in stationären Pflegeeinrichtungen in Nordrhein wieder statt.

Seit Anfang 2020 wurden erste Prüfergebnisse des neuen Prüfverfahrens für die Verbraucherinnen und Verbraucher im Internet veröffentlicht. Erste Indikatorenergebnisse wird es ab Anfang 2022 im Internet geben. 

INFOGRAFIKEN ZUM THEMA

Die neuen Qualitätsbereiche

Neue Darstellung der Ergebnisse

Informationsfilm

Gemeinsam für gute Qualität: Die neue Qualitätsprüfung in der vollstationären Pflege