Arbeitsunfähig

Wer krank ist, wird krankgeschrieben und ist hoffentlich bald wieder gesund. Wenn eine Erkrankung jedoch länger andauert, können die Krankenkassen den MDK bitten, die Arbeitsunfähigkeit einer Versicherten oder eines Versicherten zu überprüfen. In bestimmten Fällen sind die Kassen dazu gesetzlich verpflichtet.

Was bedeutet Arbeitsunfähigkeit?

Der umgangssprachliche Begriff Krankschreibung ist irreführend: Wenn eine Ärztin oder ein Arzt Ihnen einen „gelben Schein“ gibt, handelt es sich dabei um eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Arbeitsunfähig sind Sie, wenn

  • Sie aufgrund Ihrer Erkrankung gar nicht arbeiten können oder
  • Ihre Krankheit sich verschlimmern könnte, wenn Sie weiter zur Arbeit gehen.

Der Begriff Arbeitsunfähigkeit ist also stark auf das Berufsleben bezogen. Das ist in der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit und die Maßnahmen zur stufenweisen Wiedereingliederung (Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie) so festgelegt.

Krank zu sein heißt also nicht immer auch arbeitsunfähig zu sein. Ob eine Krankheit die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt, hängt ab von

  • der Art und Schwere der Erkrankung,
  • dem physischen und psychischen Gesamtzustand,
  • der Art der beruflichen Tätigkeit und
  • den damit verbundenen Anforderungen.

Die sozialmedizinische Begutachtung hat zum Ziel, Ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Dazu wird beispielsweise geschaut, ob bestimmte Therapie- oder Rehabilitationsmaßnahmen die Behandlung Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes ergänzen und unterstützen können.

Dafür bitten Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter Ihrer Krankenkasse Sie um Auskunft zur aktuellen Situation und zu den konkreten Anforderungen und Belastungen an Ihrem Arbeitsplatz.

Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, die Arbeitsunfähigkeit von Versicherten durch den Medizinischen Dienst begutachten zu lassen,

  • wenn es darum geht, den Behandlungserfolg zu sichern und die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen, oder
  • wenn Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit bestehen.

Zunächst nimmt die Kasse Kontakt mit der oder dem Versicherten auf und bittet um Auskunft zur aktuellen Situation. Danach kann die Krankenkasse eine sozialmedizinische Beratung durch den Medizinischen Dienst einholen.

Sozialmedizinische Fallberatung

Grundlage für die sozialmedizinische Beratung durch den Medizinischen Dienst sind zum einen die Befunde zur Erkrankung, zum anderen Informationen zur Arbeitssituation der oder des Versicherten. Hilfreich ist es, wenn aktuelle Arztberichte in Kopie zur Verfügung gestellt werden können. Wenn nicht, fordert die Krankenkasse entsprechende Berichte bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzten oder Krankenhäusern für den Medizinischen Dienst an. Die Unterlagen werden direkt an den Medizinischen Dienst geschickt.

Die Gutachterin oder der Gutachter des Medizinischen Dienstes prüft die vorliegenden Unterlagen und spricht eventuell mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten. In der Regel kann bereits auf dieser Basis eine Stellungnahme abgegeben werden.

Reichen die Unterlagen für eine Beurteilung nicht aus, kann eine persönliche Begutachtung notwendig werden. Dazu lädt die Krankenkasse die oder den Versicherten schriftlich in ein Beratungs- und Begutachtungszentrum des Medizinischen Dienstes ein.

Persönliche Begutachtung

Bei diesem Termin wird die oder der Versicherte von erfahrenen Sozialmedizinerinnen oder Sozialmedizinern untersucht, die alle Aspekte der Arbeitsunfähigkeit besprechen und über weitere Maßnahmen beraten, beispielsweise eine stufenweise Wiedereingliederung in den Beruf. Vielleicht können auch Veränderungen notwendig sein, die über die medizinischen Maßnahmen hinausgehen.  Die Ärztinnen und Ärzte des Medizinischen Dienstes sind in beratender Funktion tätig und greifen dabei nicht in die Therapie der behandelnden Ärztinnen und Ärzte ein. Eventuell geben sie ergänzende Hinweise zu Diagnostik und Therapie.

Begutachtungsergebnis

Das Ergebnis der Untersuchung teilen die Gutachterinnen oder Gutachter den Versicherten in der Regel sofort mit, ebenso der Krankenkasse und der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. In manchen Fällen muss zum Beispiel noch ein Untersuchungsergebnis oder ein Arztgespräch abgewartet werden, bevor die abschließende Bewertung feststeht.

Neben der Frage nach der aktuellen Arbeitsunfähigkeit geht es in dem Gutachten auch darum, ob und wie die oder der Versicherte erwerbsfähig bleiben kann. Falls erforderlich, empfehlen die Gutachterinnen und Gutachter beispielsweise eine medizinische Rehabilitation oder äußern sich zu berufsfördernden Maßnahmen wie etwa zu einer Umschulung oder einem inner- oder außerbetrieblichen Arbeitsplatzwechsel.

Die Gutachterinnen und Gutachter unterliegen der Schweigepflicht. Der Medizinische Dienst übermittelt Ihrer Krankenkasse ein schriftliches Gutachten. Sollte der Arbeitgeber die Frage nach der Arbeitsfähigkeit gestellt haben, teilt die Krankenkasse ihm auf dieser Grundlage lediglich mit, ob eine Arbeitsfähigkeit besteht oder nicht.

Weitere Informationen

Projekt „ZIEL-Sicher“

Mit dem Projekt unterstützt der Medizinische Dienst Versicherte und hilft ihnen dabei, zurück in den Alltag und in den Beruf zu finden.