Die Auswertung der Pflegegutachten des Medizinischen Dienstes Nordrhein der vergangenen Jahre zeigt: Immer mehr Menschen beantragen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Die Zahl der Gutachten legte von 2019 bis 2025 um mehr als 70 Prozent zu – von rund 266.000 auf über 456.000 im Jahr 2025. Es sind vor allen Dingen Anträge zu Einstufungen in einen Pflegegrad, die deutlich ansteigen, aber auch zu Hilfsmitteln oder zur Verbesserung des Wohnumfeldes. Der überwiegende Teil der Gutachten betraf zwar Erwachsene, doch auch Gutachten zu Kindern und Jugendlichen legten in den vergangenen Jahren zu.
So ist die Zahl der pflegebedürftigen Kinder in Nordrhein in dem Zeitraum deutlich gestiegen. Erstellte der Medizinische Dienst Nordrhein 2019 noch rund 9.400 Pflegegutachten für 0- bis 17-Jährige, waren es 2025 dreimal so viele, rund 28.300. Die Auswertung dieser Gutachten zeigt: Sowohl bei Grundschulkindern als auch bei Jugendlichen sind es vor allem Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störungen (ADHS), die für den starken Zuwachs an Pflegegutachten verantwortlich sind.
Die Zahl von ADHS-Fällen ist sowohl bei den 7- bis 10-Jährigen als auch bei den 11- bis 17-Jährigen überproportional gestiegen, während die Fallzahlen bei anderen Hauptdiagnosen annährend gleichgeblieben oder nur leicht gestiegen sind. Für rund 700 Kindern im Alter von 7 bis 10 Jahren wurde 2019 aufgrund von ADHS ein Pflegegrad empfohlen, 2025 waren es mehr als 3.900 Kinder. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Jugendlichen. Bei den 11- bis 17-Jährigen stieg ADHS als Hauptdiagnose von rund 330 Fällen im Jahr 2019 auf über 3.200 im Jahr 2025. So ist ADHS mittlerweile bei 40 Prozent der Kinder zwischen 7 und 10 Jahren der Grund für eine Pflegebedürftigkeit, und bei mehr als jedem dritten im Alter zwischen 11 und 17 Jahren.
Die Gründe, warum Erwachsene pflegebedürftig werden, sind vielfältig, doch bestimmte Erkrankungen dominieren. An erster Stelle steht die Einschränkung durch Altersschwäche. Die Betroffenen sind multimorbid und leiden unter mehreren chronischen Erkrankungen. Auffällig ist, dass Polyarthrose, eine chronische Gelenkerkrankung, als Hauptdiagnose deutlich zunimmt, Demenz dagegen leicht rückläufig ist. Depression als pflegebegründende Diagnose verfünffachte sich nahezu, von rund 2.500 Fällen im Jahr 2019 auf über 11.600 im Jahr 2025. Bei der Auswertung nach Alter zeigt sich, dass der höchste Zuwachs bei Depressionen vor allem bei jüngeren Pflegebedürftigen zu verzeichnen ist. Im Jahr 2025 waren die meisten zwischen 50 und 65 Jahre alt, als ihnen aufgrund von Depressionen ein Pflegegrad empfohlen wurde. In dieser Altersgruppe stiegen die Zahlen binnen sechs Jahren von 990 auf fast 5.300.
Das ist auch ein Grund dafür, warum Pflegebedürftige im Durchschnitt jünger geworden sind. Waren Frauen 2019 noch 77 Jahre und Männer 75 Jahre als ihnen erstmals ein Pflegegrad empfohlen wurde, sind sie heute im Durchschnitt 71 Jahre alt.
Der Report "Pflegebegutachtungen 2019-2025" als pdf zum Download.